HR Trends. No.2: Review portals

Posting in German as the interviews are in German and the topic is related to the German market.

Vor einiger Zeit hat mir eine Freundin, die im Executive Search tätig ist, Ihr Leid geklagt: Eine Kandidatin wurde nach dem persönlichen Interview beim Kunden abgelehnt (vor allem aufgrund des nachfolgenden Background-Checks). Der Search-Prozess selbst lief wohl nicht so optimal, was ausnahmsweise mal nicht auf interne Prozesse beim Kunden zurückzuführen war. Im Nachgang veröffentlichte die abgelehnte Kandidatin eine äußerst negative Bewertung des Kunden auf kununu. Kununu hat auf die Rückmeldung der Agentur umgehend reagiert, unterzog die Bewertung einem ausführlichen Check und musste feststellen, dass der abgegebene Erfahrungsbericht nicht  den gesetzlichen Richtlinien entsprochen hat. Daher wurde die Bewertung offline genommen.  Nun kann man darüber streiten, ob es gerechtfertigt ist, ein Unternehmen dafür abzustrafen, dass ein beauftragter Dienstleister nicht optimal arbeitet (ich würde sagen, in solchen Einzelfällen eher nicht). Aber generell stellt sich die Frage von Nutzen und Datenqualität von Arbeitgeberbewertungsportalen.

Vor allem die Relevanz der Bewertungen sehe ich in diesen Portalen kritisch. Man kann davon ausgehen (und Studien weisen dies im Marketingkontext auch nach), dass eine Mehrheit der Bewerter (und -Innen :-)) eher negative Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht hat. Hierdurch wird die Darstellung der Unternehmen im allgemeinen verzerrt.

Darüber hinaus, ist es natürlich für Unternehmen verlockend, positive Bewertungen “zu fördern” – inwieweit dies passiert, lässt sich allerdings nur schlecht abschätzen.

Wer kununu noch nicht kennt: kununu ist das deutschsprachige Pendant zu Arbeitgeberbewertungsportalen wie bspw. glassdoor, jobitorial oder ratemyemployer im angelsächsischen Bereich. Ich habe Tamara Frast, Public Relations & Social Media Manager bei kununu, zu diesem Thema gefragt:

Das Thema Fake-Bewertungen nehmen wir in unserer Position als Marktführer sehr ernst und walten entsprechende Sorgfalt. Neben bereits bestehenden technischen Sicherheitsvorkehrungen sorgt ein eigenes Community Management-Team für eine manuelle Kontrolle.

Jeder Besucher, der eine Bewertung abgeben möchte, muss sich mit einer ordnungsgemäßen Mailadresse registrieren. Trashmailadressen werden von uns nicht akzeptiert. Technische Filter verhindern zudem das Posten von Schimpfwörtern und namentlichen Erwähnungen.

Darüber hinaus hat jeder Arbeitgeber die Möglichkeit, unserem Support-Team Rückmeldung zu geben: Liegt eine Bewertung mit bedenklichen Inhalt vor, überprüfen wir diese umgehend. Entspricht diese weder den gesetzlichen als unseren freiwillig selbst auferlegten Kriterien, wird der User verständigt, seine Bewertung dahingehend zu korrigieren.

Wie gehen andere Bewertungsportale mit dieser Problematik um? Yelp, das momentan noch nicht im Arbeitgeberbereich arbeitet, scheint zumindest bei der Thematik „Bias“ noch einen Schritt weiter. Nocheinmal Verena Schmuck, Yelp Community Manager:

Das ist so ne Sache. Zum einen gibt es natürlich die Community Manager, die wirklich jeden einzelnen Beitrag in ihrer Stadt auf Qualität überprüfen und ggf. die User direkt anschreiben (wenn es sich zum Beispiel offensichtlich um Mitarbeiter des rezensierten Geschäfts handelt) Daneben gibt es den in Deutschland noch eher unbekannten Review Filter, der dafür sorgt, dass die Qualität auf einem hohen Level bleibt.

Der Filter ist in den USA sehr umstritten, weil hier natürlich ab und zu Beiträge darunter fallen, die tatsächlich ehrlich sind, aber vom Filter als “bias” gewertet wurden. Über die Algorithmen können wir nichts sagen, dass ist selbst intern absolut top secret. Trotzdem ist der Filter ein wesentlicher Garant, dass die Bewertungen auf Yelp ehrlich und ohne Interessenkonflikte ablaufen.

Die Problematiken des Bias und der Manipulation sind also erkannt und es wird daran gearbeitet – bis dahin sollte man sich aber diesen Verzerrungen bewusst sein. Für Bewerber bieten Reviewportale in jedem Fall eine zusätzliche(!) Informationsquelle und eine Möglichkeit, kritische Themen zu identifizieren und ggf. im Interview zu thematisieren. Allerdings sollte man sich noch immer ein eigenes Bild vom potentiellen Arbeitgeber machen und wo möglich eigene persönliche Kontakte ins Unternehmen als Informationsquelle suchen und nutzen.

Für Unternehmen gilt, was insgesamt im Bereich Social Media gilt: Die Erfolgsfaktoren sind Monitoring und sauberes Reputationsmanagement. Darüberhinaus können solche Reviews als Quelle zur Wettbewerbsbeobachtung genutzt werden, und Recruitment sollte die negativen Reviews durchaus nutzen um mit Human Resources und dem Business Verbesserungen der EVP zu erreichen.

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