careerloft: e-fellows mit eigener Wohnung?

Fast jeder in der HR Blogosphäre hat schon seine Meinung zu careerloft kundgetan, z.B. hier, hier und hier. Da habe ich gerade noch gefehlt. Frei nach der beliebten Meetingregel “Es ist zwar alles schon gesagt worden, aber nicht von jedem”.

Nunja, vielleicht schaffe ich es ja, den ein oder anderen Aspekt anders zu beleuchten.

Ist careerloft überhaupt etwas Neues? Und ist neu in diesem Kontext auch gut oder sinnvoll? Um eines vorweg

zu nehmen: das Konzept von careerloft ist nicht in Stein gemeißelt und im permanenten Wandel – also ganz GenY-like.

Unwahrscheinlich, dass die Leser hier den freundlichen jungen Herrn auf dem Photo rechts nicht kennen.

Trotzdem sei er kurz vorgestellt: Gero Hesse, ist seines Zeichens nicht nur einer der profiliertesten Social Media Evangelisten in der Personalmarketingszene sondern auch Mitglied der Geschäftsführung der medienfabrik in Gütersloh.

In seinem Blog saatkorn. stellt er gerne anderen Fragen – drehen wir den Spieß also um:

1. Es kursieren einige Statements im Netz, dass careerloft einen Paradigmenwechsel in der Beziehung Kandidat-Unternehmen darstellt oder diesem zumindest begegnet. “Paradigmenwechsel” ist ein sehr großes Wort, und in dem Kontext auch schon oft gebraucht. Kannst Du noch einmal genauer erklären, wie dieser Paradigmenwechsel bei careerloft aussieht?

Der Paradigmenwechsel bezieht sich vor allem auf die Personalarbeit in Unternehmen. Heute ist es doch im Recruiting immer noch so, dass sich die Kandidaten bei den Unternehmen auf ausgeschriebene Stellen bewerben. Viele Unternehmen scheinen noch nicht zu sehen, dass sich der Markt von einem Angebots- zu einem Nachfragemarkt aus Sicht der Unternehmen entwickelt. Die Antwort auf diese Entwicklung sehen wir in careerloft. Wir geben der Zielgruppe der Studenten und Absolventen mehr Raum, beteiligen sie aktiv an der Entwicklung unserer Plattform und sorgen durch eine offene, Active Sourcing-fähige Plattform dafür, dass sich Unternehmen bei Studenten und Absolventen bewerben können.

2. Was sind die besonderen Elemente Eures Förderprogramms?

Es geht uns darum, die berufliche Entwicklung von Talenten zu beschleunigen. Wir bieten Teilnehmern des Förderprogramms persönliche Karriereberatung und Mehrwerte mit direktem Zugang zu attraktiven Arbeitgebern. Zum Programm zählen Prämien in Form von geldwerten Leistungen wie Zeitschriftenabonnements, aber auch karrierefördernde Maßnahmen wie Sprachtrainings und individuelles Mentoring durch die Partnerunternehmen. Der Fokus liegt dabei stets auf zwei Elementen: einerseits der individuellen Förderung durch Karriere Coaching oder Sprachtraining und andererseits in der Unterstützung beim Studieren. So launchen wir beispielsweise im Mai einen Zuschuss zu Literaturkosten in Form von Amazon-Gutscheinen.

3. Ist dieses Förderprogramm nicht wieder ein Bruch mit dem “Paradigmenwechsel”? Auch das “Top Absolventen auf Augenhöhe mit Unternehmen” agieren. Bei beidem wurde ja vorab festgelegt, wer gefördert wird, resp. “top” ist.

Ich sehe darin keinen Widerspruch. Irgendwo müssen ja erst mal Informationen vorhanden sein, wenn sich jemand bewerben soll. Momentan ist das in der Regel so, dass Unternehmen Jobprofile ausschreiben und sich dann Kandidaten darauf bewerben. Bei uns kann sich zunächst jeder registrieren. Und auch ohne das Förderprogramm bietet careerloft in sich einen Wert, da wir viel exklusiven Content zu unseren Partnerunternehmen, aber auch zu karriererelevanten Themen auf der Plattform haben. Darüber hinaus ist careerloft ein Aggregator – ich muss als Student also nicht auf acht oder neun Unternehmenswebsites herum surfen, sondern finde alle relevanten Informationen gebündelt an einem Ort. Und schlussendlich besteht auch für careerloft Mitglieder, die nicht im Förderprogramm sind, die Möglichkeit, dass sich Unternehmen bei ihnen bewerben. Insofern bin ich fest davon überzeugt, dass wir das Thema „Kommunikation auf Augenhöhe“ genauso ernst nehmen wie die Botschaft „Unternehmen bewerben sich bei Dir“. Entschließt sich ein Mitglied zur Bewerbung auf das Förderprogramm, so ist dies also keine Voraussetzung dafür, von Unternehmen angesprochen zu werden, sondern ermöglicht besondere Förderleistungen, die ich ja eben schon erläutert habe.

4. “Career” ist klar, aber was genau hat es mit dem “Loft” auf sich? Wohnraum und Büro für Praktikanten? Eventvenue? Besserer “Big Brother” Container?

careerloft findet zwar überwiegend online statt, aber es ist Teil unseres Ansatzes, auch einen Ort der Begegnung und des Dialogs in der Offline-Welt zu haben. Der Vergleich mit dem Big Brother Container passt hier gar nicht, denn es geht beim Loft natürlich nicht darum, unsere Praktikanten vor Ort zu beobachten oder zu überwachen. Das Loft ist viel mehr gelebter Ausdruck des Paradigmenwechsels in der Personalarbeit, denn auch wir müssen uns beim talentierten Nachwuchs bewerben. Das Loft gibt uns die Möglichkeit, Talente mit einem außergewöhnlichen Praktikumsangebot in einem stylischen Umfeld mit direktem Zugang zu attraktiven Arbeitgebern zu gewinnen. Natürlich nutzen wir das Loft vorrangig für Veranstaltungen, um Mitglieder des Förderprogramms mit den Partnerunternehmen zusammenzuführen. Und somit integrieren wir die Zielgruppe auch selbst in die Weiterentwicklung der careerloft Plattform und Idee.

5. careerloft wird sehr bald auch in Englisch angeboten werden. Was ist Euer Gedanke dahinter, und auf wen zielt Ihr mit diesem Angebot?

Es ist unser mittelfristiges Ziel, careerloft zu internationalisieren. Der Grund liegt auf der Hand, denn der Kampf um den begehrten Fach- und Führungskräftenachwuchs findet längst grenzübergreifend statt. Unsere Partnerunternehmen befinden sich in einem internationalen Wettbewerb und erwarten auch von uns, dass wir sie dabei unterstützen. Konkret bin ich Ende Mai in Barcelona, um dort careerloft zu präsentieren.

6. Was sagst Du jemandem, der behauptet careerloft wäre doch nur “e-fellows.net mit angeschlossener Wohnung und Social Media Schnickschnack”?

Ich würde sagen, die Person hat dann unser Konzept nicht verstanden. Es gibt etliche Differenzierungspunkte zu e-fellows.net – die ich übrigens sehr schätze – , auch wenn wir uns natürlich im selben Markt bewegen: angefangen von der Internationalisierung, über die Integration der Zielgruppe im physischen careerloft bis hin zum Thema Active Sourcing für unsere Partnerunternehmen…

Vielen Dank, Gero, für die offenen Antworten. Ich bin gespannt auf Euren Schritt in den internationalen Markt und wünsche Euch weiter viel Erfolg.

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